Schnappschuss: Wild-West in Trier-Süd

23. Oktober 2015 | von Johannes Reimann

Ein Moment, eine Situation, eine Begebenheit — manche Stories wollen sofort kundgetan werden, ohne auf einen ausführlichen Beitrag zu warten. Diesmal: Ein Rüpel-Autofahrer verursacht absichtlich beinahe einen Unfall und krönt seinen Mangel an Unrechtsbewusstsein zusätzlich noch mit Pöbelei.

Vor wenigen Minuten, um 18.02 Uhr mitteleuropäischer (Noch-) Sommerzeit, wäre ich um ein Haar selbst zum Opfer eines Unfalls geworden. Der Beinahe-Verursacher: Ein Autofahrer, der von Norden kommend aus der Saarstraße in die Löwenbrückener Straße einbog, ohne abzubremsen. Dummerweise überquerte ich soeben die Löwenbrückener Straße genauf auf dieser Straßenseite. Ich schreckte hoch und gestikulierte der großen schwarzen Limousine empört hinterher. Zwischen uns hätte höchstens noch ein Blatt Papier gepasst.

Der Fahrzeugführer, mittlerweile einige Meter weitergerauscht, bremste scharf, setzte zurück bis wieder knapp vor die Kreuzung. Weil ich nach einem sehr arbeitsreichen Tag keine Lust auf Skandaltourismus verspürte, nahm ich meinen Fußweg in Richtung meiner Wohnung wieder auf. Doch der Insasse folgte mir. Seine leicht birnerne Statue verriet, dass ihm das Zufußgehen nicht so geläufig sein konnte. Er rief mich an — ob ich, junger Mann, ein Problem habe oder einen bestimmten Schmerz verspüre, dass ich so gezuckt hätte —, trat auf mich zu und echauffierte sich auf eher künstliche Art und Weise über mein vermeintliches ›Schneckentempo‹ beim Überqueren der Straße. Es seien in der Nähe genug Fußgängerüberwege vorhanden, um die Saarstraße zu überschreiten. Weshalb ich denn ausgerechnet seiner Einflugschneise in die Quere käme, wollte er wissen. Ich verstand nicht. Meine Absicht war es doch gar nicht gewesen, die Saarstraße zu überqueren. Mein Fußweg führte mich doch längs entlang der Saarstraße. Dazu musste ich auch die Querstraßen überschreiten, eine davon eben seine Löwenbrückener Straße.

Dass der graumelierte Herr mir die Vorfahrt stahl und mich zugleich nötigte, indem er mich so knapp schnitt, sich aber anschließend noch effektheischend über meine Benutzung des Straßenraums empörte, brachte wiederum einen Mitpassanten auf die Palme, der lautstark zu Schimpfen anfing. Er konnte nicht fassen, wie jemand beinahe einen anderen überfahren und sich dabei noch über die Störung durch ihn beschweren könnte. »Er hat doch Vorfahrt! Sie haben ihn doch fast überfahren! Was regen Sie sich überhaupt auf?« Seine weibliche Begleitung trug ähnlich lautende Kommentare bei. Dem Bleifuß schien sogleich zu dämmern, dass er hier keinen Gewinn einstreichen könnte, und so trollte er sich.

Ich habe darüber gegrübelt, ob der Fahrzeugführer in großer Eile gewesen sein könnte, sodass er das Risiko einer solchen Tat auf sich nahm. Dann hätte er sich aber sicherlich nicht leisten können, seine Zeit damit zu verschwenden, sein Fahrzeug mitten auf der Straße zu parken, auszusteigen, mir hinterherzugehen und mich zusätzlich noch zu beschimpfen. Rätselhaft. Vermutlich werde ich also nie Aufklärung erhalten über seine Motive. Ich konnte mir das Kfz-Kennzeichen einprägen und denke über eine Anzeige wegen Nötigung nach. Dabei verspüre ich nicht einmal echten Ärger. Was mich aber ermutigte, war die Reaktion meiner Mit-Fußgänger, die ihre Meinung über das asoziale und regelwidrige Verhalten des Boliden-Kapitäns nicht für sich behielten. Vielleicht ist Verkehrsdeutschland — mindestens an der Basis — doch noch nicht verloren.

Über den Autor

Johannes Reimann schreibt seit vielen Jahren. Das Studium der Angewandten Geographie/ Raumentwicklung hat seine Aufmerksamkeit besonders auf die Wirkung von politischen Entscheidungen und alltäglichem Leben im und auf den Raum gerichtet.

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