Schnappschuss: Ein Kontinent im Sommerloch

8. August 2018 | von Johannes P. Reimann

Ein Moment, eine Situation, eine Begebenheit — manche Stories wollen sofort kundgetan werden, ohne auf einen ausführlichen Beitrag zu warten. Diesmal: Zynismus soll den Ideenbankrott der Politik übertünchen.

Wenn ein Bundesentwicklungsminister der CSU denselben Namen trägt wie eine deutsche Fußballlegende und im Jahr des Herrn 2018 plötzlich freien Handel mit Afrika fordert, also etwas, das ahnungslose Studenten wie ich bereits nach einer Afrikareise im Jahr 2007 (sic!) als probates Mittel für Entwicklungshilfe erkannten und umfangreich öffentlich diskutierten, dann drängen sich keine Jubelrufe auf ob der Tatsache, dass eine Bundesregierung elf Jahre mehr Zeit braucht für ihre Schlussfolgerungen, aber wenigstens überhaupt diese Erkenntnis erringen konnte; sondern schlicht die überwältigende Scham darob, dass der Herr Minister eine solche Forderung nur erheben kann in der festen Überzeugung, sie werde ohnehin kein Gehör und erst recht keine Erfüllung finden. Die vergangenen elf Jahre bieten ihm dafür hinreichende Gewähr. Politik als reines Schmierentheater. Wer genau wundert sich eigentlich über den rasanten Aufstieg der AfD?

Über den Autor

Johannes Reimann schreibt seit vielen Jahren. Das Studium der Angewandten Geographie/ Raumentwicklung hat seine Aufmerksamkeit besonders auf die Wirkung von politischen Entscheidungen und alltäglichem Leben im und auf den Raum gerichtet.

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