Versagen auf Weltniwau

26. September 2019 | von Johannes P. Reimann

Ein Moment, eine Situation, eine Begebenheit — manche Stories wollen sofort kundgetan werden, ohne auf einen ausführlichen Beitrag zu warten. Diesmal: der Wandlitz-Effekt.

Frau Merkel wird feige. Ihre Kritik an Greta Thunbergs Rede traute sie sich nicht noch vor den versammelten Nationen der Welt anzubringen, sondern sie trat erst einen Tag später nach. Vielleicht tat sie dies aber auch aus der begründeten Sorge heraus, dass Sie sich mit ihrer Anmerkung blamieren könnte. Immerhin glaubt sie auch im Jahr 2019, also im Jahr fünf des Dieselskandals und bei erst 8,3 Prozent der bis 2020 herbeigewünschten eine Million Elektroautos, noch immer daran, dass vor allem Technologien und Innovationen und am liebsten technologische Innovationen oder, besser noch, innovative Technologien unsere Klimaprobleme lösen können. Das habe sie bei der 16-jährigen Klimaaktivistin vermisst.

»Den Innovationsfetisch in seinem Lauf halten weder Ochs‘ noch Esel auf!«, klingt es da unvermittelt im Ohr. Will sagen: Wir müssten nur erfinderisch genug sein, dann könnten wir ansonsten alles so lassen, wie es ist. Ich nenne das den Wandlitz-Effekt: Frau Merkel behauptet, Technologien würden uns retten. Erich Honecker behauptete im Jahr 1989, die Mauer stünde noch 100 Jahre lang. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt: mit einem epochalen Zusammenbruch.

Über den Autor

Johannes Reimann schreibt seit vielen Jahren. Das Studium der Angewandten Geographie/ Raumentwicklung hat seine Aufmerksamkeit besonders auf die Wirkung von politischen Entscheidungen und alltäglichem Leben im und auf den Raum gerichtet.

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